Gespa- und ESBK-Sperrliste: Wie die Schweiz illegale Sportwetten-Anbieter blockiert

Inhaltsverzeichnis
- Warum die Sperrliste die unsichtbare Wettregel im Schweizer Boxen ist
- Das Geldspielgesetz als Fundament der Sperrliste
- Die Gespa: Wer sie ist und wie weit ihr Arm reicht
- Die ESBK: Spielbankenkommission und das deutlich grössere zweite Register
- Wie eine Domain auf der Sperrliste landet — der Prozess Schritt für Schritt
- Die Dynamik 2022 bis 2026 — eine Verfünffachung in drei Jahren
- Wo DNS-Sperren stoppen und wo der ehrliche regulatorische Riss verläuft
- Was Spielende rechtlich riskieren — und was Anbieter
- Wie ich in unter zwei Minuten prüfe, ob ein Wettanbieter legal ist
- Häufige Fragen zur Schweizer Sperrliste
- Was die Sperrliste für deinen nächsten Boxwetten-Klick bedeutet
Warum die Sperrliste die unsichtbare Wettregel im Schweizer Boxen ist
Ich öffne im Browser bet365.com — die Adresse, die jeder Schweizer Sportfan kennt — und werde stattdessen auf einer Stop-Seite meines Internetanbieters mit dem Hinweis empfangen, dass dieses Online-Geldspielangebot in der Schweiz nicht zugänglich ist. Genau dieser kleine, fast unscheinbare Moment ist die zentrale Realität des Schweizer Sportwettenmarkts. Für Boxwetten gilt sie identisch: Bahigo, 20Bet, Wettigo — die ganze Welt der internationalen Anbieter mit hundert Wettmärkten pro Titelkampf — endet in der Schweiz an einer DNS-Mauer.
Diese Mauer wird von zwei verschiedenen Behörden gebaut, mit zwei verschiedenen Listen, die regelmässig aktualisiert werden. Die Gespa — die interkantonale Geldspielaufsicht — führt eine Sperrliste für illegale Lotterien und Sportwetten, die per Ende 2024 bei 490 Domains stand. Die ESBK — die eidgenössische Spielbankenkommission — führt eine separate Sperrliste für illegale Online-Casinos, die im August 2025 bereits 2’597 Domains umfasste und Ende 2025 auf rund 2’653 anwuchs. Zusammen ergibt das ein Sperrregime, das in drei Jahren etwa um den Faktor fünf zugenommen hat.
Was ich in diesem Text mache: Ich erkläre, woher die Sperrliste rechtlich kommt, wie die beiden Behörden funktionieren, wie eine Domain auf der Liste landet, was das technisch heisst, wo die DNS-Sperren wirklich stoppen und welche rechtlichen Konsequenzen dich als Spieler oder die jeweiligen Betreiber treffen können. Für Boxwetter ist das keine akademische Frage — es ist die direkte Entscheidungsgrundlage dafür, ob du beim nächsten Crawford-Kampf bei der einzigen vollständig bewilligten Schweizer Plattform landest oder auf einer Stop-Seite deines Providers.
Das Geldspielgesetz als Fundament der Sperrliste
Das Geldspielgesetz heisst formal Bundesgesetz über Geldspiele und wird in der Praxis als BGS abgekürzt. Es ist am 1. Januar 2019 in Kraft getreten und hat zwei ältere Gesetze ersetzt: das Spielbankengesetz aus den späten Neunzigern und das Lotteriegesetz aus den Dreissigerjahren. Ein Gesetz für alles, was in der Schweiz Geld gegen Spielausgang setzt — und genau das ist sein wichtigster Konstruktionsgedanke.
Das BGS unterscheidet zwischen zwei grossen Kategorien. Erstens: Spielbankenspiele — alles, was klassisch im Casino läuft, von Roulette über Blackjack bis zu Online-Slots. Zweitens: Grossspiele — und in diese Kategorie fallen Lotterien, Sportwetten und Geschicklichkeitsspiele mit überregionalem Charakter. Sportwetten auf Boxen gehören zur Grossspiel-Kategorie und damit in den Zuständigkeitsbereich der Gespa, nicht der ESBK.
Die Logik dahinter ist klar: Spielbankenspiele unterliegen anderen Aufsichts- und Konzessionsregeln als Sportwetten, weil ihr Suchtrisikoprofil, ihre Spieldynamik und ihre Steuerlogik unterschiedlich sind. Eine Roulette-Drehung dauert dreissig Sekunden — eine Boxwette wird Tage oder Wochen vor dem Kampf platziert. Das BGS bildet diese Unterschiede ab, weshalb es zwei separate Aufsichtsbehörden mit zwei separaten Sperrlisten gibt.
Drittens — und das ist für Boxwetter besonders relevant — verlangt das BGS, dass jeder Online-Geldspielanbieter, der seine Dienste in der Schweiz erbringt, eine Bewilligung der zuständigen Schweizer Behörde besitzt. Bewilligungen werden nur an Anbieter mit Sitz in der Schweiz erteilt. Eine maltesische, gibraltarische oder Curaçao-Lizenz hat in der Schweiz keinerlei rechtliche Anerkennung. Wer ohne Schweizer Bewilligung Online-Wetten anbietet und sich aktiv an Schweizer Kunden richtet, agiert illegal — und genau das löst den Mechanismus aus, der seine Domain auf eine der beiden Sperrlisten bringt.
Diese Konstruktion ist europaweit nicht einzigartig, aber sie ist relativ streng. Vergleichbare Sperrregime gibt es in Italien und in Frankreich. Deutschland hat seit 2021 ein eigenes Lizenzsystem mit Lugas-Komponente und teils ähnlichen Sperrmechaniken. Die Schweiz hat den Vorteil, dass das ganze Konstrukt seit 2018 in einer einzigen Volksabstimmung mit 73 Prozent Ja-Stimmen vom Stimmvolk legitimiert wurde — was politisch eine ungewöhnlich stabile Ausgangslage darstellt.
Die Gespa: Wer sie ist und wie weit ihr Arm reicht
Wenn die Gespa eine Pressemitteilung publiziert, klickt sie kaum jemand. Aber genau diese Behörde entscheidet, welche Sportwetten du in der Schweiz legal platzieren kannst — und welche Domains aus dem Schweizer Internet verschwinden. Es lohnt, zu verstehen, wie sie funktioniert, weil ohne dieses Verständnis die ganze Logik der Boxwetten in der Schweiz wirkt wie Willkür.
Die Gespa — formell die Interkantonale Geldspielaufsicht — ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit Sitz in Bern. Trägerschaft sind alle 26 Kantone, was sie zu einer ungewöhnlichen Konstruktion macht: Sie ist nicht Teil der Bundesverwaltung, sondern ein interkantonales Konkordat. Ihr Mandat: Bewilligung und Aufsicht von Grossspielen — also Lotterien, Sportwetten und Geschicklichkeitsspielen im überregionalen Format. Konkret heisst das für Boxwetten, dass die Gespa entscheidet, welcher Anbieter Schweizer Sportwetten anbieten darf, wie hoch Limits sein müssen, welche Spielerschutz-Tools verpflichtend sind und welche Wettmärkte regulatorisch zulässig sind.
In Sachen Bewilligung ist die Gespa restriktiv. Aktuell halten nur Swisslos mit Sporttip und die Loterie Romande mit Jouez Sport die Grossspielbewilligungen für Sportwetten — beide gemeinnützige Genossenschaftsstrukturen, deren Reingewinne in kantonale Töpfe für AHV, Sport und Kultur fliessen. Private gewinnorientierte Sportwettenanbieter mit Schweizer Sitz gibt es nicht. Diese Restriktion ist politisch gewollt und im BGS so verankert.
Die zweite zentrale Aufgabe der Gespa ist das Führen der Sperrliste für illegale ausländische Anbieter. Per Ende 2024 standen 490 Domains auf dieser Liste — Anbieter, die ohne Schweizer Bewilligung aktiv Werbung an Schweizer Kunden richten oder anderweitig den Schweizer Markt bearbeiten. Bahigo, 20Bet, Wettigo und alle bekannten Auslandsplattformen für Boxwetten finden sich in dieser Liste. Die Sperrung erfolgt nicht durch die Gespa selbst, sondern durch die Internet-Service-Provider, die per Gesetz verpflichtet sind, die Domains zu blockieren — typischerweise per DNS-Sperre.
Eine dritte Funktion betrifft die Integrität: Die Gespa betreibt die Nationale Plattform zur Bekämpfung der Manipulation von Sportwettkämpfen. Sie hat 2024 184 Verdachtsmeldungen entgegengenommen — ein Höchststand, der auch internationales Echo gefunden hat. Aber das ist ein anderes Thema, das eigene Behandlung verdient.
Was die Gespa nicht macht: Sie verhängt keine Strafen gegen Spieler. Sie ist eine Aufsichts- und Bewilligungsbehörde, keine Strafverfolgungsbehörde. Strafen gegen illegale Anbieter sprechen kantonale Strafverfolgungsbehörden auf Antrag aus. Spieler werden vom BGS explizit nicht sanktioniert — das ist eine bewusste politische Entscheidung des Gesetzgebers, um die Verantwortung beim Anbieter zu lassen.
Die ESBK: Spielbankenkommission und das deutlich grössere zweite Register
Die ESBK ist der grössere Bruder der Gespa — grösser, was die Sperrliste angeht. Während Gespa Ende 2024 mit 490 Domains operiert, listet die Eidgenössische Spielbankenkommission im August 2025 bereits 2’597 Domains, Ende 2025 etwa 2’653. Der Grund für diesen Faktor liegt in der Marktstruktur: Online-Casino-Angebote sind global gesehen ein deutlich grösseres Geschäftsfeld als reine Sportwetten, und entsprechend mehr ausländische Operatoren versuchen den Schweizer Markt zu bearbeiten.
Die ESBK ist im Gegensatz zur Gespa eine Bundesbehörde — sie gehört verwaltungstechnisch zum Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement. Ihr Mandat aus dem BGS umfasst die Konzessionierung und Aufsicht der Schweizer Spielbanken — also alle physischen Casinos im Land — sowie der Online-Casinos, die als Erweiterung der konzessionierten landbasierten Spielbanken betrieben werden. Plus: Sperrliste für illegale Online-Spielbankenspiele.
Für Boxwetten ist die ESBK formell nicht zuständig — Sportwetten gehören in den Gespa-Bereich. In der Praxis ist die Unterscheidung für den Endnutzer aber irrelevant, weil viele der gesperrten Domains beides anbieten: Casino-Slots und Sportwetten unter einer Dachmarke. Ein Bahigo oder 20Bet steht typischerweise auf beiden Sperrlisten — auf der Gespa-Liste wegen der Sportwetten-Funktionalität, auf der ESBK-Liste wegen der Casino-Sektion. Wer also auf einer dieser beiden Listen steht, ist faktisch komplett aus dem Schweizer Netz gesperrt.
Die ESBK-Sperrliste wird mehrmals jährlich aktualisiert und auf der Webseite der Behörde veröffentlicht. Sie ist öffentlich einsehbar — wer es genau wissen will, kann sich die aktuelle Domainliste in PDF-Form herunterladen. Diese Transparenz ist gewollt: Spielerschutz funktioniert nur, wenn Spielende konkret erkennen können, welche Plattform legal ist und welche nicht.
Ein Punkt, der oft missverstanden wird: Die ESBK reguliert die landbasierten Schweizer Casinos und deren Online-Erweiterungen — also Plattformen wie Jackpots.ch oder mycasino.ch — sie reguliert aber nicht Sporttip oder Jouez Sport. Sporttip läuft komplett unter Gespa-Aufsicht. Wer das wirft beim Lesen amtlicher Texte durcheinander, landet schnell in falschen Annahmen darüber, welche Plattform für welche Wette zuständig ist.
Wie eine Domain auf der Sperrliste landet — der Prozess Schritt für Schritt
Eine Domain landet nicht zufällig auf einer Sperrliste. Hinter jeder Eintragung steht ein mehrstufiges Verwaltungsverfahren, das ich hier nicht in Beamtensprache nachzeichne, sondern in der Logik, in der es tatsächlich abläuft. Wer das einmal verstanden hat, sieht die Sperrliste nicht mehr als Blackbox, sondern als nachvollziehbaren regulatorischen Prozess mit eingebauten Rechtsmitteln.
Schritt eins: Identifikation. Die Gespa oder ESBK identifiziert eine Online-Plattform, die in der Schweiz aktiv ist — entweder durch Eigenrecherche, durch Meldungen von Marktteilnehmern, durch Hinweise aus Strafverfolgungsbehörden oder durch internationale Zusammenarbeit. «Aktiv in der Schweiz» heisst dabei nicht nur deutschsprachige Webseite, sondern konkrete Schweizer Bezüge: CHF als Währungsoption, gezielte Werbung an Schweizer Kunden, Akzeptanz von Schweizer Zahlungsmitteln, Schweizer Support-Hotlines.
Schritt zwei: Anhörung. Die Behörde teilt dem Anbieter die Absicht der Sperrung mit und gibt ihm Gelegenheit zur Stellungnahme. In der Regel erfolgt diese Kommunikation per E-Mail an die im Domain-Whois angegebenen Adressen oder über das offizielle Kontaktformular der Plattform. Viele ausländische Anbieter reagieren nicht — was im Verfahren entsprechend zu Ungunsten ausgelegt wird.
Schritt drei: Verfügung. Wenn nach Anhörung der Tatbestand des illegalen Anbietens bestätigt ist, erlässt die Behörde eine formale Verfügung. Diese ist anfechtbar — der Anbieter kann den Rechtsweg beschreiten, bis hinauf zum Bundesgericht. In der Praxis tun das die wenigsten, weil eine erfolgreiche Anfechtung eine Schweizer Bewilligung voraussetzt, die diese Anbieter strukturell nicht beantragen können.
Schritt vier: Aufnahme in die Liste und Sperrungspflicht der ISP. Sobald die Verfügung rechtskräftig ist, wird die Domain in die offizielle Sperrliste aufgenommen. Die Schweizer Internet-Service-Provider — Swisscom, Salt, Sunrise und alle anderen — sind per Gesetz verpflichtet, die Domain technisch zu blockieren. Die Standardlösung ist eine DNS-Sperre, das heisst der ISP-Nameserver liefert für die gesperrte Domain keine korrekte IP-Adresse mehr aus, sondern eine Stop-Seite mit dem Hinweis auf die Sperrung.
Dieser ganze Prozess dauert je nach Komplexität typischerweise Wochen bis Monate. Er ist administrativ aufwändig, aber er ist der einzig rechtsstaatlich saubere Weg — und genau diese Sauberkeit ist der Grund, warum die Sperrlisten in den letzten Jahren so stark gewachsen sind: Die Behörden arbeiten kontinuierlich, neue Plattformen schiessen aus dem Boden, und das Verfahren wird routinemässig angewandt.
Die Dynamik 2022 bis 2026 — eine Verfünffachung in drei Jahren
Eine Zahl, die mir beim ersten Hören die Augenbrauen hochzog: Innert drei Jahren — zwischen 2022 und 2025 — hat sich die Anzahl der gesperrten Online-Spielangebote in der Schweiz etwa verfünffacht. Das ist kein lineares Wachstum, das ist Beschleunigung. Und sie ist nicht durch eine plötzlich strengere Behördenpraxis zu erklären, sondern durch die Marktrealität: Es kommen einfach immer mehr ausländische Operatoren auf den Plan.
Die Zahlenkette, die das illustriert: Ende 2024 standen 490 Domains auf der Gespa-Liste. Die ESBK-Liste, die historisch grösser ist, erreichte im August 2025 mit 2’597 Domains einen Rekordwert und wuchs bis Ende 2025 weiter auf rund 2’653. Wenn ich beide Listen zusammenrechne, lande ich bei über 3’100 gesperrten Domains per Ende 2025 — gegenüber einem Niveau, das vor drei Jahren bei etwa 600 lag.
Was treibt das Wachstum? Erstens: Die Curaçao- und maltesischen Lizenzregime sind in den letzten Jahren operativ einfacher und billiger geworden. Wer eine Online-Wettplattform aufsetzen will, kann das technisch und regulatorisch in unter sechs Monaten erledigen. Zweitens: Die globale Verschiebung zu mobilen Geräten und Crypto-Zahlungen senkt die Einstiegsbarrieren weiter — auf europäischer Ebene generierten mobile Geräte 2024 bereits 58 Prozent der Online-Glücksspielumsätze. Drittens: Das EGBA und seine Mitglieder verarbeiteten 2024 schon 177,7 Milliarden einzelne Wetten — eine Steigerung von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Volumen ziehen Nachahmer und Nachzügler an, die ausserhalb der EGBA-Standards operieren.
Viertens — und das wird oft unterschätzt — passen viele Anbieter ihre Marken-Architektur an die Sperrungen an. Wird eine Domain gesperrt, eröffnen sie eine Spiegel-Domain mit minimal verändertem Namen, manchmal nur mit anderer Top-Level-Domain. Wettigo.com wird zu wettigo.app oder wettigo24.com. Behörden müssen die Spiegel-Domains jeweils einzeln ins Verfahren bringen und sperren lassen. Das ist ein endloses Katz-und-Maus-Spiel.
Was bedeutet das praktisch für dich als Boxwetter? Die Sperrliste wird in absehbarer Zeit nicht wieder schrumpfen — eher das Gegenteil. Wer heute bei einer ausländischen Plattform spielt, läuft Gefahr, dass diese in zwei Wochen aus dem Schweizer Netz verschwunden ist und du an dein eingezahltes Geld nur noch mit erheblichem Aufwand kommst. Diese Volatilität ist eine reale Komponente des Schweizer Online-Wett-Ökosystems jenseits der bewilligten Anbieter.
Wo DNS-Sperren stoppen und wo der ehrliche regulatorische Riss verläuft
«Die Sperrung von nicht bewilligten Online-Geldspielangeboten erfolgt aktuell über sogenannte DNS-Sperren. DNS-Sperren erschweren den Zugang zu illegalen Angeboten, sind jedoch technisch begrenzt wirksam und grundsätzlich umgehbar.» Das ist nicht die Aussage eines kritischen Beobachters, sondern eine schriftliche Antwort der Eidgenössischen Spielbankenkommission selbst an SRF Espresso. Wenn die zuständige Behörde die Wirksamkeit ihres eigenen Hauptinstruments so präzise einschränkt, hat das Gewicht.
Eine DNS-Sperre funktioniert technisch denkbar einfach. Wenn du wettigo.com im Browser eingibst, fragt dein Gerät einen DNS-Server nach der zugehörigen IP-Adresse. Liefert der DNS-Server statt der echten IP eine Stop-Seite zurück, kommst du nicht auf die Plattform. Standard-Schweizer ISP-Setups nutzen die ISP-eigenen DNS-Server — und genau dort greift die Sperrung. Aber: Wer einen alternativen DNS-Server verwendet — etwa den von Google, von Cloudflare oder den eines kommerziellen VPN-Anbieters — bekommt die korrekte IP geliefert und ist auf der gesperrten Plattform.
Das ist der ehrliche regulatorische Riss. Eine DNS-Sperre stoppt den unentschlossenen Gelegenheitsspieler. Sie stoppt nicht den motivierten Wetter, der bereit ist, drei Minuten in DNS-Settings oder einen VPN zu investieren. Das ist den Behörden vollumfänglich bewusst — die zitierte ESBK-Aussage macht das eindeutig. Trotzdem ist die DNS-Sperre Standard, weil Alternativen wie IP-Sperren oder Deep-Packet-Inspection deutlich invasiver wären und tieferliegende Grundrechtsprobleme aufwürfen.
Eine schärfere Sperrungstechnik wird politisch und juristisch immer wieder diskutiert. Bisher ist der politische Wille zur Verschärfung gering — auch weil die Aufsichtsbehörden das Risiko sehen, mit härteren Massnahmen einen Wettlauf gegen die VPN-Industrie zu eröffnen, den sie nicht gewinnen können. Wer also rechtlich, technisch und praktisch tief in das Thema einsteigen möchte, findet im spezialisierten Text zur rechtlichen Bewertung des DNS-Sperren-Umgehens die ausführliche Analyse — hier reicht die Erkenntnis: Die Sperre ist eine Hürde, kein Bollwerk, und sie ist genau das, was sie aussehen will.
Was Spielende rechtlich riskieren — und was Anbieter
Eine der am häufigsten gestellten Fragen, die ich in den letzten Jahren beantwortet habe: Mache ich mich strafbar, wenn ich bei einem Anbieter auf der Sperrliste eine Boxwette platziere? Die Antwort ist überraschend klar: Nein. Aber sie ist nicht das ganze Bild.
Das BGS sanktioniert Spielende nicht. Wer als Privatperson in der Schweiz an einem ausländischen Online-Geldspielangebot teilnimmt, das auf der Sperrliste steht, begeht keinen straf- oder verwaltungsrechtlichen Tatbestand nach dem Geldspielgesetz. Diese Asymmetrie ist gewollt — der Gesetzgeber wollte die Verantwortung bei den Anbietern halten und Spieler nicht kriminalisieren. Wenn du also per VPN bei einer ausländischen Plattform eine Wette platzierst, ist das gespielte Geld zwar zivilrechtlich problematisch — wenn der Anbieter nicht zahlt, hast du in der Schweiz keine vollziehbare Forderung — aber du machst dich nicht strafbar.
Auf Anbieterseite ist die Lage dramatisch anders. Wer ohne Schweizer Bewilligung Online-Geldspiele in der Schweiz anbietet, riskiert Bussen, in schwereren Fällen Freiheitsstrafen für die verantwortlichen Personen sowie Einziehung von in der Schweiz erzielten Erträgen. Die kantonalen Strafverfolgungsbehörden sind dafür zuständig, der Antrag kommt typischerweise von Gespa oder ESBK. In der Praxis sind diese Verfahren wegen des Auslands-Sitzes der Anbieter schwer zu vollstrecken — was wiederum erklärt, warum die Sperrliste das Hauptinstrument ist und Strafverfolgung nur in Sonderfällen relevant wird.
Wo die Sanktionsfreiheit für Spieler endet: bei den steuerlichen Pflichten. Gewinne aus Geldspielen sind in der Schweiz nicht generell steuerfrei. Bewilligte Schweizer Geldspiele — Sporttip, Jouez Sport, konzessionierte Schweizer Casinos — sind bis zur Höhe eines Freibetrags steuerfrei, der per Januar 2025 auf 1’070’400 Franken pro Einzelgewinn erhöht wurde. Gewinne aus nicht-bewilligten ausländischen Plattformen sind hingegen vollumfänglich deklarations- und steuerpflichtig — und zwar nach dem Kantonstarif des Wohnsitzes des Spielers, ab dem ersten Franken.
Wer also bei einer ausländischen Plattform 5’000 Franken auf einen Boxsieger gewinnt, hat das in der Schweizer Steuererklärung anzugeben und auf seine Steuerprogression aufgeschlagen. Wer 5’000 Franken bei Sporttip gewinnt, hat einen steuerfreien Gewinn unter dem Freibetrag. Diese Differenz ist quantitativ oft grösser als die Quoten-Differenz, die einen überhaupt erst zu einem ausländischen Anbieter lockt. Wer ehrlich rechnet, kommt nach Steuern oft schlechter weg als bei Sporttip — und das ist eine Komponente, die in der typischen Vergleichslogik der Wetter regelmässig untergeht.
Wie ich in unter zwei Minuten prüfe, ob ein Wettanbieter legal ist
Theorie ist schön, Praxis ist nützlicher. Wenn dir ein Kollege morgen einen neuen Wettanbieter empfiehlt — oder du auf einer Werbeanzeige eine Plattform siehst, deren Namen du noch nie gehört hast — sind das die konkreten Schritte, mit denen ich in unter zwei Minuten kläre, ob ich da meine Kohle hinschicken sollte.
Erstens: Gespa-Liste der bewilligten Anbieter. Auf der Webseite der Interkantonalen Geldspielaufsicht findest du die offizielle Liste der Inhaber einer Grossspielbewilligung für Sportwetten in der Schweiz. Die Liste ist kurz — aktuell stehen dort exakt die zwei Anbieter, von denen wir die ganze Zeit reden: Swisslos mit Sporttip und Loterie Romande mit Jouez Sport. Wenn dein Empfehlungsanbieter dort nicht auftaucht, hat er keine Schweizer Sportwetten-Bewilligung. Punkt.
Zweitens: Sperrlisten beider Behörden. Ist die Plattform auf der Gespa-Sperrliste? Auf der ESBK-Sperrliste für Online-Casinos? Beide Listen sind öffentlich. Wenn die Plattform dort steht, ist die Sache geklärt — sie ist in der Schweiz nicht legal zugänglich. Auch wenn du sie über Umwege erreichst, gilt sie regulatorisch als illegal.
Drittens: Eine schnelle Sichtprüfung der Plattform selbst. Steht im Footer eine Lizenznummer? Wenn ja, von welcher Behörde? Curaçao-, maltesische, gibraltarische oder Isle-of-Man-Lizenznummern haben in der Schweiz keine Anerkennung. Eine Schweizer Bewilligungsnummer wird auf Sporttip und Jouez Sport im Footer sauber ausgewiesen — alles andere ist Auslandsregulierung und damit in der Schweiz nicht relevant.
Viertens: Zahlungsmethoden. Wenn die Plattform ausschliesslich Crypto-Zahlungen, Skrill, Neteller oder ausländische Banküberweisungen akzeptiert und keine Schweizer Bank-Anbindung hat, ist das ein starkes Indiz für eine Plattform ausserhalb der Schweizer Regulierung — auch wenn sie technisch gerade noch nicht auf der Sperrliste steht.
Wenn auch nur eines dieser vier Kriterien klar gegen Legalität spricht, ist die Sache für mich erledigt. Ich gehe nicht über VPN auf gesperrte Plattformen, weil das steuerliche Risiko und der Verlust des Schweizer Spielerschutzes nicht im Verhältnis zu einer marginal besseren Quote stehen. Diese Rechnung kann jeder für sich anders ziehen — aber sie sollte zumindest informiert sein.
Häufige Fragen zur Schweizer Sperrliste
Welche konkreten Sanktionen drohen Spielenden auf der Sperrliste — und welche dem Anbieter?
Spielende werden vom Geldspielgesetz nicht sanktioniert. Wer in der Schweiz als Privatperson auf einer Plattform der Sperrliste eine Boxwette platziert, begeht keinen straf- oder verwaltungsrechtlichen Tatbestand. Anbieter hingegen riskieren Bussen und im schweren Fall Freiheitsstrafen für die verantwortlichen Personen, plus Einziehung der in der Schweiz erzielten Erträge. Vollstreckung ist bei Auslandsanbietern in der Praxis schwierig, weshalb die Sperrliste das eigentliche Hauptinstrument bleibt.
Wie kann ich einen Wettanbieter melden, wenn ich illegales Verhalten vermute?
Bei vermutetem illegalem Sportwettenangebot ist die Gespa die Anlaufstelle, bei vermutetem illegalem Online-Casino-Angebot die ESBK. Beide Behörden haben auf ihren Webseiten Meldewege für Hinweise aus der Bevölkerung. Bei vermuteten Wettmanipulationen im Boxen kommt zusätzlich die Nationale Plattform der Gespa zum Tragen, die 2024 insgesamt 184 Verdachtsmeldungen entgegengenommen hat — ein neuer Höchststand.
Warum sind Bet365 oder Bahigo auf der Sperrliste der Schweiz?
Beide Anbieter operieren mit ausländischen Lizenzen — Bet365 typischerweise unter britischer und maltesischer Lizenz, Bahigo unter Curaçao-Lizenz — und richten ihr Angebot aktiv an Schweizer Kunden mit CHF-Optionen, deutscher Sprache und Schweizer Marketing. Ohne Schweizer Grossspielbewilligung der Gespa ist dieses Angebot in der Schweiz illegal. Die Behörden haben beide Domains entsprechend in die Sperrliste aufgenommen, sodass Schweizer ISP sie per DNS-Sperre blockieren müssen.
Was die Sperrliste für deinen nächsten Boxwetten-Klick bedeutet
Die Sperrliste ist kein bürokratisches Detail. Sie ist die Linie, die definiert, was in der Schweiz an Online-Boxwetten überhaupt möglich ist — und sie wächst kontinuierlich. Über 3’100 gesperrte Domains per Ende 2025, mit weiter steigender Tendenz, eine technisch begrenzt wirksame DNS-Sperre als Hauptinstrument, eine bewusst sanktionsfreie Stellung des Spielers im Gesetz, aber ein steuerliches Risiko, das die Quoten-Differenz oft auffrisst.
Was ich daraus für meine eigenen Wetten ziehe: Bewilligte Schweizer Plattform, klare Steuerlogik, kein Spiel mit dem Spielerschutz-Verlust. Was ein anderer Wetter daraus zieht, ist seine Sache — aber er sollte die Spielregeln kennen, bevor er sich entscheidet. Genau das war der Zweck dieses Texts: die Spielregeln auf den Tisch legen, ohne moralisches Päckchen.
Verfasst vom Team von „Boxen Wettanbieter Schweiz”.
